BJJ-Regeln einfach erklärt

Wie gewinnt man eigentlich einen Kampf im Brazilian Jiu-Jitsu? Wir erklären das Punktesystem, wichtige Positionen, Submissions und die grundlegenden BJJ-Regeln.

Wer Brazilian Jiu-Jitsu zum ersten Mal sieht, erkennt oft schnell das grundlegende Ziel: Zwei Sportler versuchen, den anderen zu kontrollieren und eine Aufgabe – die sogenannte Submission – zu erzwingen.

Schwieriger wird es beim Punktestand.

Warum gibt es für manche Positionen Punkte und für andere nicht? Was ist der Unterschied zwischen einem Sweep und einem Positionswechsel? Und warum kann ein Kampf 0:0 enden, obwohl auf der Matte viel passiert ist?

Das Punktesystem im BJJ soll vor allem eines abbilden: das Erreichen und Kontrollieren vorteilhafter Positionen.

In diesem Artikel erklären wir die wichtigsten Regeln anhand des IBJJF-Regelwerks, das im sportlichen Brazilian Jiu-Jitsu weit verbreitet ist. Andere Organisationen und Turniere können teilweise andere Regeln verwenden.

Wie gewinnt man einen BJJ-Kampf?

Grundsätzlich kann ein BJJ-Kampf auf verschiedene Arten entschieden werden.

Die eindeutigste ist die Submission.

Ein Sportler bringt seinen Gegner durch eine Würge- oder Hebeltechnik zur Aufgabe. Diese wird üblicherweise durch Abklopfen – den sogenannten Tap – signalisiert. Der Kampf ist damit unmittelbar beendet. Kommt es während der regulären Kampfzeit zu keiner Submission, entscheidet in der Regel die Punkt-Wertung des Kampfes.

Dabei werden Punkte für bestimmte Aktionen und kontrollierte Positionen vergeben.

Vereinfacht gilt:

Submission → sofortiger Sieg

Keine Submission → Punkte entscheiden

Daneben können je nach Kampfverlauf auch Advantages (Vorteilspunkte für Submissions, Strafen, Disqualifikationen oder eine Entscheidung des Referees relevant werden.

Das BJJ-Punktesystem im Überblick

2 Punkte: Takedown

Ein Takedown bringt den Kampf aus dem Stand kontrolliert auf den Boden.

Dazu gehören beispielsweise verschiedene Würfe sowie Techniken aus dem Wrestling wie Single Legs oder Double Legs.

Entscheidend ist nicht lediglich, dass beide Sportler anschließend auf dem Boden liegen. Der angreifende Sportler muss die im Regelwerk geforderte Kontrolle über die Situation herstellen.

Ein erfolgreicher Takedown wird mit 2 Punkten bewertet.

2 Punkte: Sweep

Ein Sweep findet aus einer Guard-Situation heraus statt.

Der unten liegende Sportler dreht die Situation um und gelangt aus der Guard beziehungsweise Half Guard in eine obere Position.

Dafür gibt es 2 Punkte.

Ein wichtiger Unterschied für Anfänger:

Nicht jedes Umdrehen des Gegners ist automatisch ein Sweep im Sinne des Punktesystems.

Der Ausgangspunkt der Bewegung ist entscheidend. Wird eine ähnliche Bewegung beispielsweise aus einer Position ausgeführt, die nicht als Guard gewertet wird, können dafür keine Sweep-Punkte vergeben werden.

2 Punkte: Knee on Belly

Beim Knee on Belly kontrolliert der obere Sportler seinen Gegner, indem er sein Knie beziehungsweise Schienbein kontrolliert auf dessen Oberkörper positioniert.

Die Position ermöglicht viel Bewegungsfreiheit für den Angreifer und gleichzeitig starken Druck auf den unten liegenden Sportler.

Für eine regelkonform etablierte Knee-on-Belly-Position werden 2 Punkte vergeben.

3 Punkte: Guard Pass

Die Guard ist eine der charakteristischen Positionen des Brazilian Jiu-Jitsu.

Der unten liegende Sportler verwendet dabei seine Beine, um Distanz und Bewegungen des oberen Sportlers zu kontrollieren oder eigene Angriffe vorzubereiten.

Schafft es der obere Sportler, diese Beinkontrolle zu überwinden und anschließend eine kontrollierende Position jenseits der Beine einzunehmen, spricht man von einem Guard Pass. Ein erfolgreicher Guard Pass bringt 3 Punkte.

Der Pass gilt nur dann als komplett wenn man den Partner auch wirklich kontrolliert. Schafft der Gegner es seine Guard zurück zu bekommen bevor man ihn kontrolliert gibt es auch keine Punkte.

Das erklärt auch, warum Guard Passing im BJJ einen so großen technischen Stellenwert besitzt.

4 Punkte: Mount

Die Mount gehört zu den dominantesten Positionen im Brazilian Jiu-Jitsu.

Dabei befindet sich ein Sportler kontrollierend auf dem Oberkörper seines Gegners.

Von hier aus kann der obere Sportler verschiedene Submissions vorbereiten, während die Möglichkeiten des unteren Sportlers deutlich eingeschränkt sind.

Für eine regelkonform etablierte Mount werden 4 Punkte vergeben.

Die hohe Wertung spiegelt die starke Kontrolle dieser Position wider. Auch die IBJJF beschreibt Mount und Back Control als besonders dominante Positionen und bewertet beide mit vier Punkten.

4 Punkte: Back Control

Eine weitere besonders dominante Position, vermutlich sogar die Beste im ganzen BJJ, ist die Kontrolle des Rückens.

Gelingt es einem Sportler, hinter seinen Gegner zu gelangen und die für die Wertung erforderliche Kontrolle herzustellen, können 4 Punkte vergeben werden.

Der Rücken ist im Brazilian Jiu-Jitsu besonders wertvoll, weil der kontrollierte Sportler seinen Gegner nur eingeschränkt sehen und angreifen kann, während gleichzeitig der eigene Hals für Würgetechniken erreichbar ist.

Eine der bekanntesten Submissions aus dieser Position ist der Rear Naked Choke.

Warum gibt es überhaupt Punkte?

Das Punktesystem wirkt zunächst vielleicht etwas willkürlich. Dahinter steckt jedoch eine grundlegende Logik.

Brazilian Jiu-Jitsu besitzt eine Hierarchie von Positionen.

Bestimmte Positionen ermöglichen mehr Kontrolle und bessere Angriffsmöglichkeiten als andere. Das Punktesystem bildet einen Teil dieser Hierarchie ab.

Ein Guard Pass bringt deshalb beispielsweise drei Punkte, während Mount und Back Control jeweils vier Punkte bringen.

Punkte sollen also nicht einfach Aktivität belohnen, sondern das erfolgreiche Erreichen bestimmter technisch relevanter Situationen.

Was ist eine Submission?

Eine Submission ist eine Technik, mit der ein Sportler seinen Gegner zur Aufgabe zwingt.

Typische Beispiele sind:

  • Würgetechniken wie Rear Naked Choke oder Triangle Choke
  • Armhebel wie der Armbar
  • Schulterhebel wie Kimura oder Americana
  • verschiedene Bein- und Fußhebel

Signalisiert der Gegner die Aufgabe, endet der Kampf sofort.

Eine Submission steht damit über dem Punktestand.

Ein Sportler kann beispielsweise deutlich nach Punkten zurückliegen und den Kampf trotzdem noch durch eine erfolgreiche Submission gewinnen.

Genau diese Möglichkeit ist ein wichtiger Bestandteil der Dynamik eines BJJ-Kampfes.

Was bedeutet „Tap“?

Die Aufgabe wird im BJJ häufig als Tap bezeichnet.

Der Sportler klopft dabei normalerweise mehrfach deutlich mit der Hand auf seinen Gegner oder die Matte. Ist das nicht möglich, kann die Aufgabe auch anders eindeutig signalisiert werden.

Im Training gilt derselbe Grundsatz. Ein Tap beendet die jeweilige Situation unmittelbar.

Das ist keine Niederlage im klassischen Sinn, sondern ein zentraler Bestandteil des Trainings: Dadurch können Hebel- und Würgetechniken gegen echten Widerstand trainiert werden, ohne dass sie bis zu einer Verletzung ausgeführt werden müssen.

Was sind Advantages?

Neben regulären Punkten kennt das IBJJF-Regelwerk sogenannte Advantages.

Vereinfacht gesagt können sie Situationen abbilden, in denen ein Sportler einer wertbaren Aktion oder Submission sehr nahekommt, die Voraussetzungen für die vollständige Wertung aber nicht erfüllt.

Ein Advantage ist kein Punkt.

Das wird insbesondere bei einem engen Punktestand wichtig.

Steht es beispielsweise nach Punkten unentschieden, können Advantages für die Entscheidung des Kampfes relevant werden.

Für Einsteiger reicht zunächst die Unterscheidung:

Punkte = vollständig erreichte wertbare Aktion

Advantage = relevante Aktion, die nicht vollständig zur Punktewertung geführt hat

Die genaue Vergabe ist regeltechnisch deutlich detaillierter.

Gibt es Strafen im BJJ?

Ja.

Auch im Brazilian Jiu-Jitsu gibt es Regelverstöße und entsprechende Strafen.

Dabei geht es nicht nur um verbotene Techniken. Auch das bewusste Vermeiden des Kampfes beziehungsweise fehlende Aktivität kann abhängig von der Situation sanktioniert werden.

Je nach Art und Häufigkeit eines Verstoßes können sich Strafen auf den Kampf auswirken und letztlich auch zu einer Disqualifikation führen.

Für Wettkämpfer lohnt es sich deshalb, das konkrete Regelwerk des jeweiligen Turniers vor dem Start genau zu kennen.

Sind alle Submissions erlaubt?

Nein.

Welche Techniken erlaubt sind, hängt unter anderem von Alter, Gürtelklasse und teilweise der jeweiligen Wettkampfdivision beziehungsweise dem Regelwerk ab.

Bestimmte Beinhebel oder andere Techniken können beispielsweise in einer Klasse erlaubt und in einer anderen verboten sein.

Die IBJJF veröffentlicht dafür eigene Übersichten zu erlaubten und verbotenen Techniken und verweist Athleten ausdrücklich auf die jeweils aktuellen Regelunterlagen.

Deshalb sollte man gerade bei Wettkämpfen nicht davon ausgehen, dass jede Technik, die im Training bekannt ist, automatisch im jeweiligen Match erlaubt ist.

Gelten im No-Gi dieselben Regeln?

Viele Grundprinzipien des Punktesystems sind im Gi und No-Gi sehr ähnlich.

Takedowns, Sweeps, Guard Passes sowie dominante Positionen spielen in beiden Varianten eine wichtige Rolle.

Unterschiede können jedoch bei den erlaubten Techniken und natürlich durch die fehlenden Gi-Griffe entstehen.

Wer genauer wissen möchte, wie sich beide Trainingsformen unterscheiden, findet dazu unseren Artikel „Gi oder No-Gi – Was ist der Unterschied im Brazilian Jiu-Jitsu?“

Hat jedes BJJ-Turnier dieselben Regeln?

Nein – und das ist wichtig.

Die hier beschriebenen Regeln orientieren sich am IBJJF-Regelwerk. Die IBJJF stellt dafür ein eigenes Rule Book sowie ergänzende Materialien zu Regeländerungen und verbotenen Techniken bereit.

Andere Veranstalter können andere Punktesysteme, Kampfzeiten oder Regeln für erlaubte Techniken verwenden.

Es gibt beispielsweise auch Submission-Only-Formate, bei denen klassische Punkte eine geringere Rolle spielen oder vollständig entfallen.

Vor einem Wettkampf sollte deshalb immer das Regelwerk des konkreten Veranstalters geprüft werden.

Muss man die BJJ-Regeln kennen, bevor man mit dem Training beginnt?

Nein. Für das erste BJJ-Training muss niemand Punktetabellen oder Wettkampfregeln auswendig lernen.

Viele Regeln ergeben erst dann wirklich Sinn, wenn man die zugrunde liegenden Positionen selbst kennengelernt hat.

Wer regelmäßig trainiert, entwickelt mit der Zeit automatisch ein Verständnis dafür, warum bestimmte Positionen im BJJ besonders wertvoll sind.

Für Wettkämpfer sieht es anders aus: Wer auf einem Turnier startet, sollte sich mit dem dort geltenden Regelwerk beschäftigen. Technisch gut zu sein und die Regeln des eigenen Wettkampfs zu verstehen, gehören zusammen.

BJJ-Regeln bei Illuminate Jiu-Jitsu in Regensburg

Bei Illuminate Jiu-Jitsu lernen Anfänger zunächst die Positionen und Prinzipien hinter dem Punktesystem.

Guard, Side Control, Mount oder Back Control sollen nicht nur deshalb verstanden werden, weil sie in einem Wettkampf Punkte bringen. Entscheidend ist zunächst zu verstehen, warum eine Position vorteilhaft ist und wie Kontrolle überhaupt entsteht.

Mit zunehmender Erfahrung wird auch das taktische Verständnis wichtiger: Wann lohnt sich ein Sweep? Wann sollte eine Position stabilisiert werden? Wann kann von der Positionskontrolle in eine Submission gewechselt werden?

Für Mitglieder, die an Wettkämpfen teilnehmen möchten, kommt anschließend das konkrete Regelverständnis hinzu.

Fazit: Das BJJ-Punktesystem ist einfacher, als es zunächst aussieht

Für den Einstieg kann man sich sechs Wertungen merken:

Takedown – 2 Punkte
Sweep – 2 Punkte
Knee on Belly – 2 Punkte
Guard Pass – 3 Punkte
Mount – 4 Punkte
Back Control – 4 Punkte

Und über allem steht die Submission.

Wer diese grundlegende Logik verstanden hat, kann einem BJJ-Wettkampf bereits wesentlich leichter folgen.

Die Details des Regelwerks werden anschließend relevant – insbesondere dann, wenn man selbst an Wettkämpfen teilnehmen möchte.

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